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Politisch unkorrekt – aber notwendig

Von Claus Christian Malzahn

Die Äußerungen des brandenburgischen Innenministers Schönbohm sind politisch ungeschickt gewesen. Doch während der Christdemokrat nach Antworten sucht, begnügen sich seine Kritiker mit billigen Betroffenheitsfloskeln und verschanzen sich hinter ostdeutschen Empfindlichkeiten.
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Die These, dass Ulbrichts und Honeckers brutale Kybernetik auch ihren Anteil am Tod der Säuglinge in Frankfurt an der Oder haben könnte, ist es deshalb Wert, zumindest untersucht zu werden. Vielleicht erklärt sie nicht die Tat, aber doch das beredte Schweigen, das diese Tötungen auch ermöglichte. An die Frage nach den Spätfolgen der “erzwungenen Proletarisierung” (Schönbohm), dem Konzept der sozialistischen Dörfer (ohne Kirche) und der sozialistischen Stadtlandschaften (ohne urbanen Zufall und Individualität) schließt sich übrigens eine zweite, ebenso unangenehme Frage an. Was bedeutete in der späten DDR ungeborenes Leben?

Als die Täterin in Frankfurt Oder das erste Neugeborene umbrachte, galt in der DDR eine Regelung, die vom damaligen Arbeitgeber ihres Mannes – der Staatssicherheit – im Zweifel organisiert und exekutiert wurde. Jede vietnamesische Vertragsarbeiterin, die beispielsweise in Halle arbeitete und schwanger wurde, hatte die Wahl: Sofortige Abtreibung oder Ausreise. Das war die Realität des realen Sozialismus. Ein westdeutscher Innenminister, der heute versucht, die DDR-Mythen beiseite zu räumen um besser verstehen zu können – der trägt mehr zur Aufklärung bei , als eine Klientel, die nach einem unbegreiflichen Verbrechen nebenan gleich wieder die Jalousien runterlässt.


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