Tierquäler beim BUND
2 Comments Published by senordaffy Oktober 21st, 2004 in Science vs. Junkscience, Subculture, TagespolitikVor einigen Monaten schrieb ich schon einmal über die radikalveganen Appetitverderber PETA und den erstaunlichen Zuspruch des Ladens durch Prominente, denen ich gute Absicht und wenig Ahnung unterstellte. Nach wie vor bin ich der Überzeugung, daß bei PETA Spinner organisiert sind, die Tiere wesentlich lieber mögen als Menschen. Der zweite Vorsitzende der deutschen Sektion schrieb mir: „Peta lehnt die Chemikalienverordnung REACH ab und hat dieses wiederholt deutlich gemacht.“ Und da bin ich ausnahmsweise mal ganz seiner Meinung. Allerdings aus anderen Gründen.
Wie Peta mag ich Tiere. Im Gegensatz zu praktisch allen politisch korrekten Mainstream-Weltverbesserern mag ich aber auch die chemische Industrie. Da Organisationen wie Greenpeace über die bevorzugt verbreitete PR und eine regierungsbeteiligte Partei verfügen, vergessen viele, daß Erfinder in Chemieunternehmen ihre Arbeitszeit nicht verwenden, um neue Umweltgifte zu entwickeln, sondern sich im Gegenteil mit deren Vermeidung beschäftigen, wenn sie nicht grade an Mitteln gegen Krebs, Alzheimer, knitternde Kleidung und gammelnde Lebensmittel arbeiten.
REACH steht für „Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien“ und ist eine EU-Verordnung. Wer Chemikalien verkaufen möchte, muß seit 20 Jahren zunächst deren Harmlosigkeit beweisen. Der gesunde Menschenverstand sagt, Chemikalien, die seit noch längerer Zeit in großem Maßstab in Gebrauch sind, werden wohl harmlos sein, wenn trotz einer wachen Presse, jeder Menge Ökovereinen und der Aussicht auf gigantische Schadensersatzsummen keinerlei Hinweise auf Risiken vorliegen. REACH befiehlt, daß die Industrie die Ungefährlichkeit nun nachträglich beweisen muß.
Das ist grotesk teuer, zwischen 2,3 und 5,2 Milliarden Euro wird der Spaß die Industrie kosten. Wer der Ansicht ist, die chemische Industrie sei ohnehin erstens unmoralisch, zweitens zu reich und drittens seien die amerikanischen Rentner deren Altersvorsorge unter Anderem aus Chemie-Aktien besteht allesamt böse Imperialistenschweine, findet das womöglich in Ordnung. Ich hänge solcherlei Neostalinismen nicht an. Wenn der Staatenbund Europa diesen Wirtschaftszweig schon aus politischer Dummheit teilenteignet, dann wären die Erlöse besser angelegt in Gratisantibiotika und -AIDS-Medikamenten für die Dritte Welt.
Der BUND für Umwelt- und Naturschutz ist da anderer Ansicht. Fleißig haben seine Haupt- und Ehrenamtlichen für REACH getrommelt und dementsprechend enthusiastisch feiern sie die Verordnung auf ihrer Homepage. Der Pressesprecher hat sich dagegen zu meiner diesbezüglichen Anfrage bis jetzt nicht geäußert. Dem BUND sind Tiere sehr viel weniger wichtig als z.B. PETA oder mir, dem BUND ist das Feindbild Chemieindustrie wichtig. Der BUND ist quasi gegen alle, die etwas anderes als eine Meinung verkaufen. Konventionelle Landwirte, Stromversorger und Autohersteller bekriegt der BUND ebenso leidenschaftlich, wie die armen Bauern der dritten Welt, die ihre nicht ganz so umweltfreundlichen Produkte gern für wenig Geld an uns verkaufen würden, um auch dem zweiten von sieben Kindern die Grundschule zu bezahlen.
Ein Wirtschaftszweig sollte den BUND allerdings demnächst mit Spenden überschütten: Laborbetreiber. Die bekommen dank REACH viel zu tun, ca. 2,3 bis 5,2 Milliarden Euro beträgt das Auftragsvolumen. Nicht wenig davon wird verwendet werden für Tierversuche. Laut der 3sat-Sendung Nano werden wegen REACH 20 Millionen Versuchstiere sterben. 20 Millionen Tiere zu essen finde ich im Gegensatz zu PETA vollkommen in Ordnung, sie für komplett überflüssige Versuche wenig waidgerecht zu killen, hingegen nicht. Daß die hauptamtlichen Gutmenschen vom BUND diese Folge ihrer Politik erstens hinnehmen und zweitens verschweigen ist skandalös aber nicht verwunderlich, schließlich ist das Thema kampagnentauglich, spendengeldversprechend und die Bahncard und der Bioladenfraß sind teuer. Dieser nette kleine Skandal trifft auch alle, die den BUND finanziell unterstützen, schließlich tragen sie eine Mitschuld. Schuld am überflüssigen Versuchstiertod in 20 Millionen Fällen ist also jeder, der in Deutschland Geld verdient oder ausgegeben hat, denn darauf fallen Steuern an und auf der Homepage des BUND ist zu lesen: „Ein deutlicher Zuwachs – von 235.000 auf 549.000 Euro – war 2003 bei den projektgebundenen Zuschüssen zu verzeichnen. Zum Beispiel förderte [...] das Umweltbundesamt das Engagement des BUND für die Reform der europäischen Chemikalienpolitik.“
Daß das ehrenamtliche, beitragszahlende Mitgliederfußvolk des BUND viel guten Willen aber schockierend wenig Sachverstand hat, ahnte ich schon vorher. PETAs Vize bestätigte es mir schriftlich. Ich fragte bei PETA an, ob denn nun eine Kampagne gegen den BUND geplant sei. „Die Umweltorganisationen liegen eben in dieser Frage ‚quer’ zu Auffassungen von PETA, und dies muß ausdiskutiert werden im kollegialen Miteinander. Ansonsten gibt es nämlich viele Gemeinsamkeiten, z.B. sind PETA-Mitarbeiter teilweise auch Mitglieder des BUND. Mit diesen ansonsten sehr wertvollen Organisationen setzt sich PETA auseinander, bekämpft sie aber nicht und führt erst recht keine Kampagnen gegen diese durch.“ Nö, ist klar. Schließlich verbirgt diese „sehr wertvolle Organisation“ ihre Machtansprüche und Gewinnerzielungsabsicht ja im Gegensatz zur Aventis AG hinter der Fassade der Gemeinnützigkeit und der Rechtsform e.V. – genau wie PETA. Sonst ist der Verein weniger zimperlich. Den Holocaust mit Hühnerhaltung zu vergleichen war sich PETA nicht zu schäbig, bis eine einstweilige Verfügung ihn rechtskräftig daran hinderte. Dieses Rechtsmittel wurde erwirkt von einer Organisation, die ich im Gegensatz zu PETA für höchst wertvoll halte: Dem Zentralrat der Juden in Deutschland.
Ich bin durch Zufall auf deinen Artikel gestoßen,
und möchte alle Besucher dieser Webseite auf
eine GUTE Darstellung des BUND zu diesem Thema
hinweisen:
http://www.bund.net/bundgegengift/reach/reach_53/reach_161.htm
In REACH sind viele Schritte zur langfristigen Verringerung von Tierversuchen vorgesehen,
mehr unter:
http://www.bund.net/bundgegengift/reach/reach_53/reach_163.htm
Exzellenter Kommentar von Dir! Neue Investitionen werden nun in anderen Länder getätigt werden, was dem Umweltschutz wenig hilft. Wir leben dann hier im ökologischen Wunderreich, Arbeitsplätze gibt es dann aber keine mehr.
s. dazu auch http://chatzi.blogspot.com/ Bleibt die geringe Hoffnung, das wenigstens China Teile von REACH übernimmt.