Freiburg macht sich zum Clown
15 Comments Published by senordaffy Oktober 29th, 2008 in Privates, TagespolitikDa kommt keine Geisterbahn auf der “Herbschtmess” mit: Ein echter Mullah, “Dr.” Khatami, ehemaliger Präsident des Iran, besuchte meine Heimatstadt, deren Vertreter sich bereitwillig entwürdigten. Kollege Röderer halluzinierte im Voraus Khatami als Teil der Lösung, nicht des Problems. Was natürlich nicht stimmt, wäre er es, wäre er totgefoltert und nicht Präsident geworden. Seine zaghaften Reformversuche – die samt und sonders scheiterten – bezogen sich jedenfalls nicht darauf, keine minderjährigen Homosexuellen mehr an Baukränen zu erhängen oder sich mit Israel auszusöhnen.
Beim Empfang im Rathaus fehlten – entgegen der Aussage des OB – (Update: einige) Vertreter der CDU und (Update: alle der) FDP. Immerhin. Allerdings fehlten auch Vertreter des “Freundeskreis Städtepartnerschaft Freiburg-Tel-Aviv”, der ausgerechnet an diesem Abend eine Vorstandssitzung abhielt. Dass ein profilierter Feind des Objekts der Freundschaft in der Stadt weilte, war offenbar kein Grund, ihm entgegenzutreten.
Als Bahai (angenehm zurechnungsfähige Glaubensgemeinschaft) im heutigen Iran ist man tatsächlich in einer Situation, die mit der der deutschen Juden 1933 vergleichbar ist. (Sollte jemand den Vergleich kritisieren wollen: Das sage ich, nicht die Bahai selbst.) Hierzulande bekommt man deshalb noch lange nicht ohne weiteres Asyl, ein Vertreter des Regimes, das sie verfolgt, darf hingegen in Freiburg mit einem Empfang der Stadt rechnen.
Die winzigen Problemchen des Iran mit den Menschenrechten waren OB Salomon (Grüne, ich habe ihn sogar gewählt) keine Silbe wert, aber immerhin erwähnte er, dass die Städtepartnerschaft derzeit aufgrund der Drohungen Machmirdendschihads gegen Israel und unserer besonderen Verantwortung wegen des Holocaust (sonst etwa nicht?) für dieses schöne Land grade ruhen würde. Konkret bedeutet das, dass eine offizielle Delegation der Stadt erstmal nicht nach Isfahan fliegt. Bürgerreisen finden nach wie vor statt und um Khatami auszuladen hatten weder Stadt noch Uni die notwendige Selbstachtung.
Der Mullah salbaderte ein paar freundliche Belanglosigkeiten, ich freute mich über den “Atomkraft-nein-danke”-Button eines Kollegen und es gab Apfelsaft und Wasser für die Iraner und Weißwein für die Badener.
Im KGII der Uni fanden sich grade genug Zivilcouragierte ein, um drei Banner zu halten. Eine Schande, dass es nicht mehr waren, aber ein tröstlicher Anblick.
Professor Dr. Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Universität Freiburg, begrüßte Dr. Mohammad Khatami zu Beginn seines Vortrags “Dialoge zwischen der Islamischen und der Westlichen Welt: Möglichkeiten und Hindernisse”.
Schiewer betonte dabei, dass es zur Rolle einer Universität wie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg gehöre, “auch unter politisch schwierigen Rahmenbedingungen wissenschaftlich-zwischengesellschaftliche Kontakte zu ermöglichen und so zum europäisch-islamischen Dialog beizutragen.”
Das Maß der Kritik am Regime ist in dieser Pressemitteilung völlig korrekt dargestellt: Es gab keine.
Nicht von offizieller Stelle jedenfalls, aber wenigstens von exakt zwei Exil-Persern, die den hohen Besucher inhaltlich durchaus zutreffend einen Mörder nannten. Einer wurde unterm Jubel des Mobs / der Zuhörerschaft (sorry, aber so war es) von Sicherheitsleuten aus dem Saal geschafft. Immerhin war offenbar jemand dabei, der ein Funkmikro mit sich trug, dessen Regler noch eine Minute lang offen war, so dass wir wenigstens akustisch noch die Kritik des Rausgeworfenen verfolgen konnten. (Zum Vergleich: Der notorische Störer, der in der Paulskriche pöbelte, als HMB den Börne-Preis erhielt, durfte sich bei OB Petra Roth ausheulen.)
Ich vermute, den Doktor bekam Khatami irgendwann mal h.c. (womit er besser dastünde als mancher Kollege) verliehen, sein Vortrag war sturzdumm und sterbenslangweilig. Zuerst spielte er über Bande und erklärte uns am Beispiel Japans, dass wir deutsche uns nur als westlich definieren, weil wir alle kulturellen Eigenheiten über den Haufen warfen, als wir den Zweiten Weltkrieg verloren. (Eigentlich, also vorher, als wir noch Juden ermordeten waren wir aber vermutlich wohl ganz OK.) Dann folgten allerlei werte- und kulturrelativistische Fußmattenweisheiten und völlig unpassende Wein-Analogien. (Wein? Wieso spricht jemand über Wein, der Weintrinker verprügeln lässt?)
Ich lernte: Der “Westen” als Wertegemeinschaft ist eine Erfindung: Auf die letzten dreißigtausend Jahre gesehen verbindet uns mehr, als uns trennt. Sicher richtig. Aber in den letzten 30 Jahren werden im ach so konstruierten “Westen” halt doch eher selten minderjährige Mädchen hingerichtet. (Bzw., um der grausamen Wahrheit die Ehre zu geben, staatlicherseits vergewaltigt und dann ermordet. Im Iran darf man keine Jungfrauen hinrichten, schließlich ist das ein zivilisiertes Land. Also wurden sie erst mit einem ihrer Schlächter “verheiratet” und dann umgebracht. Die Hinterbliebenen bekamen noch ein paar Euro “Brautgeld” zur Bestätigung.)
Weiterhin benötigt der Westen ganz dringend den Orient als Vermittler mit dem fernen Osten. Gut, Indien ist eine Demokratie, in der das Englische recht verbreitet ist und China treibt Handel dann doch hauptsächlich mit den USA. (Wal Mart allein nimmt mehr Waren aus China ab, als der gesamte Nahe Osten.) Aber weil man beim Flug nach Bangalore u.U. auch mal den Iran unter sich hat, sollten wir dringend auf Ratschläge von dort hören, wenn wir unsere Software vom freundlichen Inder schreiben lassen. Ein Job, für den im Iran leider kaum jemand qualifiziert ist, trotz der wissenschaftlich-zwischengesellschaftlichen Kontakte mit der Uni Freiburg.
Anschließend wurden Fragen aus dem Publikum zugelassen. Aber nicht zu “innenpolitischen Themen, wir wollen uns ja nicht in den Wahlkampf einmischen”. Klar, wo kämen wir hin?! Die erste Frage war langweilig, deshalb beginne ich das dokumentierende Video mit meiner – erwarten Sie statt einer Antwort aber besser ein eindeutiges Applausometer-Publikumsvotum gegen mich, die Studentin, die im Iran zur Schule ging und den Kollegen, dem an den Bahai gelegen ist und für Khatami. 2008 hat der Begriff “Jubelperser” eine neue Bedeutung.


Der Großreporter irrt in etlichen Punkten. Zum Beispiel: Die CDU war beim Rathaus-Empfang vertreten durch Stadtrat Hermann Aichele. Genauso wie der Freundeskreis Isfahan durch Herrn Salawati.
Danke für den Hinweis auf Aichele, hab’s korrigiert. Immerhin hat die JU sich distanziert. Dass der Freundeskreis Isfahan anwesend war, ist ja klar, hab ich nicht bestritten. Welches sind die etlichen anderen Punkte?
Ich habe auch noch einen Fehler entdeckt: Neben deinem hübschen Konterfei in der Kopfzeile hat sich unter deinem Namen ein großes L eingeschlichen, wo ein kleines n stehen sollte. Freundliche Grüße.
Khatami ist sicher ein antisemitisches Arschloch, aber er ist dch immerhin besser als Achmadineschad, oder?
@Blinder
Ich gestehe, der ist gut.
“Bei der Lektüre dieses Artikels von David Harnasch vergeht mir jegliches Heimweh. Freiburg mag von Zeit zu Zeit eine sehr schöne, grüne, heimelige Stadt sein; oft genug ist sie aber ein stadtgewordenes Fabliau über Klischeelinke [...]“
Endlich hast du wieder einen eigenen, langen Bericht hier veröffentlicht…Danke. Ist ja sehr spannend, aber auch erschütternd, was in deinem Ständchen passiert
Deine Frage ist klasse. Wobei es mich interessiert, ob der Dolmetscher sie wirklich 1:1 übersetzt hat.
Eine Bitte: Könntest du vielleicht das ganze Video untertiteln?
Mir fehlte sein Beitrag um die “Holocaust”-Debatte, also von khatami, dann haetten sie ihn vielleicht dingfest machen können…
es tut mir leid aber ich finds lächerlich was du geschrieben hast! bin selber iranerin und im iran aufgewachsen. ich muss zugeben das stimmt, wenn du sagst im iran werden jungedliche hingerichtet, die mädchen mit einem aufkleber von *prostituntion* gesteinigt. aber eine person allein hat keine macht die lage zu ändern, nicht khatami und nicht einanderer! informiere dich lieber erst wie es im iran in der regierung läuft! wie die machtverteilungen sind und wie viel freiraum man als präsident hat!
@sara
Ich sage ja nicht, dass Khatami allein verantwortlich für die Verbrechen des Regimes ist, ich weiß schon, dass ohne den Wächterrat nix geht. Aber er steht nun mal stellvertretend für den Laden, also sollte er hier nicht willkommen sein.
so ein faschistenschwein. und die europäer machen einen auf jubelperser und brauchen wieder mal wen, der ihnen ihre vergangenheit erklärt.
Bei 08:56..
zu den (religiösen) Minderheiten: “Und sie müssen ihre bürgerlichen Rechte wahrnehmen..”
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Und dann diese widerliche pastorale Gestik.
” “Tod sei mit Amerika” bedeutet nicht, dass die Menschen, Amerikaner, das Existenzrecht Amerikas, in Frage gestellt wird. Das drückt nur den Protest der Iraner gegen die amerikanische Politik aus.” Unglaublich, mit welch gespaltener Zunge “Eure Exzellenz” hier Unverfrorenes zum Besten geben. Danke für die Dokumentation des Auftritts dieser unsäglichen Charaktermaske Khatami. Möge sie den verblendeten Jubelpersern Augen und Ohren öffnen!
@masseltoff:
Klar, mit verbalem Dünnschiss dieser Art lassen sich die ganzen “aufgeklärten” Alternativen, oder die, die sich dafür halten, abspeisen. Das gilt dann als Beweis für die friedlichen Absichten dieses Goebbels-Klons. Der natürlich Israel respektive den Westen so sehr liebt, dass er gar nicht auf die Idee käme, demokratische Opposotionelle aus dem Iran ermorden zu lassen:
“Staatsterror in Deutschland: 1992: Ein Mordanschlag im Berliner Restaurant Mykonos. Vier Menschen sterben, führende iranische Sozialdemokraten. Das Gastland hat sie nicht schützen können, Terroristen hatten ein zu leichtes Spiel [...].
Attentäter Darabi war bereits seit Jahren, seit 1984 als angeblicher iranischer Terrorist unter Beobachtung. Eine Anlaufstelle für Terrorkommandos in Berlin, ein Gefährder vor dem Hintergrund möglicher Anschläge der Hizballah – mit heißem Draht in die iranische Regierung.
Besuch des damaligen iranischen Ministers Khatami in Deutschland. Khatami vertraut auf Darabi und seine Terroristen-Gruppe, die ihm Demonstranten vom Leib halten wie hier im September 1991. Khatami, heute Präsident des Iran, bedient sich in Deutschland ansässiger Terroristen. Kurz danach fallen die Schüsse im Berliner Restaurant Mykonos. ”
Rundfunk Berlin-Brandenburg, Kontraste, Sendung vom 25.10.2001
http://www.rbb-online.de/_/kontraste/beitrag_jsp/key=rbb_beitrag_1237985.html (30.10.2008).
Gute Frage, David!
Seine Antwort ist weich gespülte Heuchelei, bei der der Barnum-Effekt zum Tragen kommt. Wer ist den auch gegen fromme Wünsche und Frieden?
Der Einwand vieler Kommentatoren, dass er ja schließlich ein moderater Hoffnungsträger sei, weil z.B. sein Nachfolger ja noch schlimmer sei, überzeugt mich nicht wirklich. (Schlimmer geht immer.) Vielleicht hätte es jemanden gegeben, der schlimmer als Hitler gewesen wäre – aber auch das würde mich mit Hitler sicher nicht versöhnen. Oh je, habe ich jetzt Khatami mit Hitler verglichen? Das wollte ich nicht. Der hat nämlich offen ausgesprochen, was er wollte (”verrrrrrnichten”, “ausrrrrrrradieren”, “ausrrrrrrrrrotten”). Auch wenn Khatami etwas harmloser als sein Nachfolger war, so befindet er sich immer noch weit entfernt von unserem westlichen Wertehorizont, der Zivilisation, wenn ich das mal etwas überheblich so ausdrücken darf.