Mainz bleibt Mainz III
18 Comments Published by senordaffy Februar 23rd, 2005 in General, Kollegenschelte, Privates, Reisen, TagespolitikAuch nach unserer großartigen, kleinen aber sehr feinen Veranstaltung mit ca. dreißig Teilnehmern, zwanzig Journalisten, ca. hunderfünfzig Gegendemonstranten und etwa derselben Anzahl Polizisten wird hier immer noch geschunkelt und gegrölt und mit Greenpeacebooten durch die Gegend gefetzt.
Mein Highlight des Tages war der Sprechchor der Gegendemo: “Alles Scheiße außer Kuba.” Hierauf konnte man endlich mal wieder antworten: Geht doch hin!
Ausführliches später…
PS 19:50 Uhr: Nämlich jetzt. SPON:
Allerdings fand am Morgen auch eine Pro-Bush-Demonstration in Mainz statt: Rund 20 Anhänger des Präsidenten warben am Südbahnhof für mehr Verständnis für die Politik des US-Präsidenten. Nach Polizeiangaben sei “politisch interessiert und sehr angeregt” miteinander diskutiert worden.
Ein paar mehr waren wir schon. Aber tatsächlich endete die Kundgebung nach dem üblichen Gebrüll und Gepfeife in lustigen Einzelgesprächen mit Gegendemonstranten. (PDS-Zottel: “Bist Du Geschichtslehrer, oder was?!” Pro-Bush-Demonstrant: “Nein. Politikwissenschaftler.”)
ZDF online:
Dass die Pro-Bush-Demonstranten auf ihrer eigenen Kundgebung in der Unterzahl sind, haben sie nicht anders erwartet. “Wenn hier in Mainz auf der Gegenseite 5000 demonstrieren, kann es aber nicht schaden, wenn auch die dreieinhalb Bush-Anhänger aus Deutschland zusammenkommen”, sagt der Bush-Befürworter David Harnach selbstironisch. Er gehört zu dem losen Interessenbündnis für deutsch-amerikanische Freundschaft, das über das Internet zur Demo aufgerufen hat. “Wir sind zwar weniger, aber wir haben die Wahrheit auf unserer Seite”, ist Harnach überzeugt.
Erstens heiße ich Harnasch. Mit “s”. Zweitens habe ich das Wort “Wahrheit” nicht in den Mund genommen – wir hatten aber wirklich die besseren Argumente…
PS 20:45 Uhr: Schön, daß wir beim Unterschichtenfernsehen zu sehen waren. Leider kostet der SAT1-Mitschnitt 72,- Euro, PRO7 natürlich das selbe. Das ist es mir dann doch nicht wert.
Während der “angeregten” Diskussion wurde mir übrigens angeworfen, die USA hätten sich aus “wirtschaftlichem Interesse in den 2. Weltkrieg eingemischt.” Kein Witz. Und als ich eine Israelische Flagge zeigte, wurde mir prompt in Gesicht gebrüllt: “Ihr Juden habt schon seit 70 Jahren keinen Anspruch mehr auf dieses Land!” Der Brüller trug eine Flasche Apfelkorn in der Jackentsche, meinte mit “diesem Land” Deutschland und – und das ist das wenig Erstaunliche – hat aus seinen eigenen (Contra-Bush-) Reihen KEINERLEI Widerspruch geerntet. Auch nicht, als ich ihn anfeuerte, er solle dem Affen Zucker geben und seinen Antisemitismus ruhig freien Lauf lassen, was er umgehend tat.
Im Übrigen bin ich kein Jude. Ich mag Israel.
PS 22:30 Uhr: Mir wird kolportiert, ich sei auf der ARD zu sehen gewesen. Mal gucken, ob die öffentlich-rechtlichen mir evtl. einen Mitschnitt schenken.
Das Medienecho unserer Veranstaltung muß ich exzellent nennen. Neben den bereits genannten Medien war ich gestern auf SWR DasDing und heute im HR You FM zu hören – auch schön. Außerdem wurde unsere Veranstaltung bei CNN erwähnt. Wenn man die Medienpräsenz auf die Teilnehmerzahl verrechnet, war das eine der effizientesten Demos aller Zeiten!
PS 3:08 Uhr: Ein anderer Sprechchor der Antiantiantiamerikaner lautetet, “Ihr seid peinlich!”, im Kontext “Demokratie bedeutet die Herrschaft der Mehrheit – die steht hier [bei den Antiamis], was also wollt ihr?!”
Es mag idiotisch sein, eine krasse Minderheitsposition offensiv zu vertreten, schließlich wurden einige Leute im Lauf der Geschichte dafür gemeuchelt, aber ist es “peinlich”? Es stellt sich partout kein Gefühl der Scham bei mir ein, weil ich für eine Meinung auf die Straße gegangen bin, die geschätzte 95% meiner MitDeutschen nicht teilen. Oder ablehnen. Oder aktiv zu bekämpfen für notwendig erachten. Zuzugeben, daß man “Amerika” als Idee mag, sein Volk, seine Politik und deren Repräsentanten, ist unpopulär, aber ist im Umkehrschluß z.B. Dieter Bohlen unpeinlich, weil er viele Anhänger findet?
Da schon im Vorfeld klar war, daß ein Großaufgebot an Polizisten jedes Risiko sowohl für uns Pro- als auch für die Antiamis ausschließen wird, darf sich keine Seite besonderen Mutes rühmen. Dennoch fühlt es sich gut an, mit ca. 30 Gleichgesinnten für eine herzlich leicht argumentierbare Position eingestanden zu sein, die 95% der Bevölkerung ablehnen. Weil das mehr “Cochones” erfordert, als mit 3.000 (Schätzung der HR-Reporterin von ihrem Balkon in der Innenstadt aus) bis 12.000 (SPON-Schätzung) Gedankenklonen den vollkommenen, gesellschaftlichen Konsens auch auf den Straßen von Mainz demonstriert zu haben: Wollt ihr den totalen Frieden?! – Jaaaaah!
PS 3:52 Uhr am 25.2. morgens:
Die Opposition der Anti-Bush-Demonstranten war jedoch eher persönlicher oder pauschalisierender Natur. Wegen ihrer Dialogbereitschaft punkteten daher am Südbahnhof die Bush-Freunde. “Konfliktpotential” gab es am Südbahnhof jedenfalls keins, urteilte eine Polizistin von einem erfahrenen Berliner Anti-Konflikt-Team, die gestern überall unterwegs waren.
Danke, Heise.
Ich konnte zwar leider nicht zum Südbahnhof, möchte aber hinzufügen, dass mir das Schild “Stop FCKW in your country” sehr gefallen hat. Es war zwar nicht für oder gegen PISA, sondern auf der Diktatorenkuscheldemo am Hauptbahnhof zu sehen. Ansonsten auch sehr schön waren zwei Friedenbewegte vor einem Schaukasten eines Waffengeschäftes: “Geil, die Pistole sieht ja voll echt aus.” “Krass, kannste echt mit beeindrucken.” Ach so, eine horde alter Männer mit Schildern: “Kapitalismus braucht Krieg. Krieg braucht Kapitalismus”. Wie schaffen diese domestizierten Primaten das eigentlich so viel Realität auszublenden?
Found your blog via the Zeit interview / article. I take it that is you? Glad to hear that the demo went well and 30 is a great turn out. Has anyone seen any press coverage in english or german yet?
In den “Sat.1 News” (the news show formerly known as “18:30″) wart ihr kurz zu sehen.
Auf CNN soll auch auf die Demo hingewiesen worden sein.
Glückwunsch und Danke! Ich habe Euch kurz in Pro7 gesehen.
Der weibliche PDS Zottel war aber süß…
auch gut: ein – mit verlaub und tiefer sympathie – unter französischer kenchtschaft leidender halb däne halb amerikaner durch die straßen ziehend mit megafon und die “Battle Hymne of the Republic” singend…
Klasse!
“Das Medienecho unserer Veranstaltung muß ich exzellent nennen.”
Wie Du weißt, bekommen Perverse in den deutschen Medien immer starke Aufmerksamkeit.
@Anonymus
Und auf meinem Blog dürfen sogar solche Leute sich in der Aufmerksamkeit dieser Perversen sonnen, die zu feige sind, ihren Namen zu nennen. Nett, gell?
hallo david,ich hab gestern abend bis spaet in die nacht hinein euren “kleinen triumph” ueber die dummheit mit milchkaffe und knaeckebrot gefeiert.
ich hoffe nur das erik aus paris auch wie ich(in marseille)die moeglichkeit hatte mit satfernsehen zu sehen was in deutschland gestern abging.besonders gut war auch ein gespraech mit henryk broder bei “phoenix”.
es war koestlich !!!!!
deine (eure) aktion war mehr als nur spitze,und eigentlich ist es gut das ihr nur so wenig nach mainz schafften.es zeigt erneut das man nich tausendfach anwesend sein muss um eine idee zu verteidigen.
ich bin ex-berliner und lese seit jahren die deutsche presse welche mehr und mehr in sich zerfaellt,die massenmanipulation in sachen usa und bush-bashing ist mir aber besonders aufgestossen.
ihr macht, wie auch erik in frankreich, einen verdammt guten job.
vielleicht sieht man sich mal.
Glückwunsch zum großen Medienecho der Demonstration!!
Wieviele der “Anti-Bush”-Demonstranten würdet Du denn als ansatzweise gebildet, vernünftig und logischen Argumenten zugänglich bezeichnen? Ich vermute, jemand der behauptet “Man kann doch nicht für Bush sein, selbst als Amerikaner nicht. Den USA geht es doch so schlecht wie nie zuvor.” fällt schonmal nicht in die Kategorie. Man muss ja nicht mit allem einverstanden sein, was Bush so zu Hause treibt, aber um sowas zu behaupten muss man entweder schwer einen an der Klatsche haben und/oder gar kein Geschichtswissen.
Wenn man die Medienpräsenz auf die Teilnehmerzahl verrechnet, war das eine der effizientesten Demos aller Zeiten!
Stimmt 100 Prozent!
Die Sendung Monitor berichtet heute auch über Bush-Sympathisanten in Deutschland. Ich freue mich schon auf die Sendung.
David -Glückwunsch! Die Monitor-Sendung war Klasse – Danke!
hallo david
vom hocker fiel ich ja gestern abend als ich in suedfrankreich eure aktion auf dem sat-tv sehen konnte,das eure “french connection erik” ebenfalls dabei war hat mich natuerlich besonders erfreut.
ich bin der meinung das ihr mit eurer, wen auch geringer anwesenheit,deutschland seit 2002 mal wieder eine lektion in demokratie gezeigt habt.
man kann euch garnicht genug dafuer danken.
was man im bericht sehr gut sah war die gewalt welche von den anti-bush gegnern ausging.
zusamenfassend wuerde ich die “anti-bush-demo” doch eher als eine “anti-amerikanische-demo” einschaetzen.
weiter so !!!
……..“Man kann doch nicht für Bush sein, selbst als Amerikaner nicht. Den USA geht es doch so schlecht wie nie zuvor.” ……….. Man muss ja nicht mit allem einverstanden sein, was Bush so zu Hause treibt,……..
Was treibt er denn so ? Des amerikanischen Wirtschaft geht es schlecht ? Ach was ? Aber auch nur in den deutschen Propaganda-Medien.
Die amerikanischen Wirtschaftsdaten stimmen. Wer will daran eigentlich zweifeln ? Mein Gott, was ist alles über den angeblich schwachen Arbeitsmarkt der Amerikaner gesagt worden ? Die Jobmaschine brummt. Die Jahreszahl für 2004 beträgt 2,5 Mio neue Jobs in den USA ! Diese Zahl stimmt wiederum mit dem BIP-Wachstum überein. Wer spendiert Clement ein Ticket nach New York oder Washington, um sich dies einmal anzuschauen? Wie macht man so etwas? Interessant: Bezogen auf die Bevölkerung müßte Deutschland 2004 also fast 900.000 Jobs geschaffen haben. Das ist kein Witz!
Die USA befinden sich in also einer Wirtschaftskrise, die Arbeitslosenzahl steigt und die
Überschuldung nimmt zu ? Solche Behauptungen sind unwahr und skandalös ! Die USA wachsen um jahresdurchschnittlich 4 % und damit über 100 % mehr als Deutschland oder
Europa ! Das Defizit im Haushalt wird sich im laufenden Fiskaljahr auf unter 3 % des BIP stellen, voraussichtlich schon 2,7 – 2,8 %. Die Zahlen von Eichel kann ich nicht genau nennen, weil er sie selbst auch nicht kennt.
Peinlich ist das Ganze deshalb: Die Medien operieren mit falschen Fakten, weil sie eine falsche Meinung haben und diese transportieren möchten. Das lenkt schön vom Versagen des Ex-Deutschlehrers Eichel ab und fördert die Hysterie im Volk. Der platte Slogan „Wir wollen keine amerikanischen Verhältnisse“ wird so untermauert. Ich wünschte, wir hätten hier amerikanische Verhältnisse !
Wie man erfolgreiche Finanzgeschäfte macht, zeigte Herr Eichel. WENN SOZIS SICH ALS BANKER GEBEN: Bekanntlich verkauft Berlin Rußland-Forderungen über Anleihen. Aber: Die Russen bedienen nach wie vor ihre Kredite, die als Unterlage für die im Sommer 2004 plazierten Anleihen gelten. Das bedeutet: Die Russen zahlen Zinsen an Berlin wie bisher und Berlin zahlt auf die Anleihen die entsprechenden Coupons. Soweit, so gut. Aber: Die Bedienung der Anleihen kostet exakt 1,65 Mrd € mehr als die Zinseinnahmen aus den Rußland-Krediten betragen. Für ein solches Geschäft müßte jeder Banker den Hut nehmen. Was soll man dazu noch sagen! Das wäre doch eine Meldung in den Medien wert !? Aber da warten wir wohl ewig darauf. In Bankerkreisen ist dieser Vorgang bekannt. Man lacht über Eichel. Wer traut sich, Eichel an den Karren zu fahren ? Bisher niemand !
Glückwunsch zur gelungenen Demo und herzliche Grüße,
Mathias
Hier ist die Online-Version des entsprechenden “monitor”-Beitrages:
http://www.wdr.de/tv/monitor/real.phtml?bid=667&sid=125
Glückwunsch zur demo!!! Vielen dank, jedem der sich geoege w bush eingesetzt hat!!!
leider scheint des mit dem monitor bericht bei mir net zu klappen.
naja, umso schlechter die amerikanische wirtschaft dargestellt wird, umso besser kann man von unserer lahmenden wirtschaft ablenken und sie entschuldigen…
Ich erlaube mir auch einen politischen Vergleich. Mag sein, daß Bush nicht Reagan ist, aber ein konservatives Amerika war noch nie schlecht für die Wirtschaft, egal, wie man darüber aus europäischer Sicht denkt oder fühlt. Sämtliche dynamischen Programme der US-Wirtschaft gingen stets von konservativen Überlegungen aus, wenn auch deren Folgen sehr häufig von demokratischen Präsidenten ebenfalls erfolgreich weitergeführt worden sind. Zuletzt von Bill Clinton. Der ungewöhnlich pessimistische europäische Zustand ist also nicht wegweisend.
Ich hab in der AZ von der Aktion hinterher gelesen und mich tierisch geärgert daß ich vorher nix davon wusste. Wäre da ja auch gerne hin. Und jetzt find ich den Artikel hier. Nett. Ich wusste ja gar nicht daß es noch andere nicht-gleichgeschaltete in diesem Land gibt. hoi das gibt Hoffnung.